Schiesser Fachlexikon - Baumwolle
BAUMWOLLE
Historisches
Schon vor etwa 4000 Jahren war die Baumwolle in Asien bekannt (Heimat Ägypten). Im 13. Jahrhundert kam sie über Spanien nach Europa, und im 14. Jahrhundert erstmalig auch nach Deutschland. Große wirtschaftliche und in deren Folge auch soziale Umwälzungen folgten. Durch die Erfindung der Spinnmaschine im Jahre 1768 und durch die Erfindung des mechanischen Webstuhles im Jahre 1787 erfuhr die Baumwollverarbeitung einen sprunghaften Aufschwung.
Wachstumsbedingungen
Die Baumwolle ist ein strauchartiges Gewächs von 0,7 bis 1,7 m Höhe. Sie gedeiht am besten auf sandigen, kalkhaltigen Böden und in warmem, feuchtem Klima (Subtropen). Zwei Monate nach der Aussaat zeigen sich Knospen. Aus ihnen gehen weiße, gelbe oder rote Blüten hervor, die sich zu drei- bis fünffachen, waInussgroßen Kapseln mit drei bis acht Samenkernen entwickeln. An den Samenkernen befinden sich die verwertbaren Baumwollfasern.
Ernte

Die Erntezeit erstreckt sich über 80 bis 100 Tage in drei bis fünf Pflückperioden. Die Ernte erfolgt entweder von Hand oder mittels Maschine. Ertragsmenge und Qualität der Fasern hängen ganz von der Witterung ab.
Fasergewinnung
Die Baumwollfasern werden gewaltsam mit Egreniermaschinen (Entkörnungsmaschinen) von den Samenkernen getrennt. Im Durchschnitt ergeben 100 kg Rohbaumwolle 70 kg Kerne und 30 kg Fasern. Die trotz Entkörnung noch an den Kernen haftenden kurzen Fasern werden auf besonderen Egreniermaschinen gewonnen. Sie kommen als Linters in den Handel und sind das Rohmaterial zur Herstellung von Acetat u.ä.
Hauptanbauländer

China, USA, Mittelasien (ehemals UDSSR), Indien, Pakistan, Brasilien, Türkei, Ägypten, Australien, Griechenland
Zusammen produzieren diese Länder etwa 3/4 der Weltbaumwollernte.
Für die Bezeichnung der unterschiedlichen
Baumwollsorten wurden internationale Normen
geschaffen. Man unterscheidet dabei 3 Gruppen:
USA Baumwolle, lndische Baumwolle und Ägyptische Baumwolle.
Die Baumwollsorten der übrigen Länder werden einer der 3 Gruppen zugeordnet.
Arten
Durch Kreuzung und Züchtung sind heute mehr als 10 Arten bekannt.
Folgende Gruppierungen wurden festgelegt:
- Baumwolle mit hohem Stapel, hoher Stapellange, großer Feinheit und seidigem Glanz. Bsp.: Sea Island (USA)
- Baumwolle mit gleichmäßigem Stapel. Bsp.: Uplands (USA)
- Baumwolle mit kurzem Stapel, grob und mall. Bsp.: Ostindische
Handelsarten
1. USA /Sea-lsland (Georgia) ist die wertvollste. Uplands ist die gleichmäßigste und stellt die Hauptmenge.
2. Ägypten I Mako ist gelblich. Als Sorten gibt es Sakellaridis und Ashmouny sowie die weißliche, feste Karnak.
3. Ostindische / Oomra, Bengal, Tinnevelly, Broach (kurzstapelig, mall, rau und unrein).
4. Südamerikanische I Gute Mittelsorten z.B. aus Pernambuco in Brasilien, aus Peru, Mexiko Puerto-Rico und Santo Domingo.
5. Mittelasiatische / Sehr vielseitig. Kurz- und mittelstapelig.
6. Europäische I z.B. aus Motril (Spanien) und lzmir (Türkei).
Fasermerkmale I –Eigenschaften
Die Faserlänge bewegt sich zwischen 10 bis 55 mm.
ab 36 mm Iangstapelige Baumwolle
20 bis 35 mm mittelstapelige Baumwolle
bis 20 mm kurzstapelige Baumwolle
unter 10 mm Linters
Der Faserquerschnitt ist während des Wachstums kreisrund, im reifen Zustand jedoch nierenförmig. Der Zellsaft bildet sich bei der Reifung zurück, und die Faser zieht sich zusammen. Das mikroskopische Bild der Faserlängsachse zeigt ein gewundenes, korkenzieherartig aussehendes Bändchen.
Die Faser besteht aus ca. 90% Zellulose, ca. 7%Wasser, ca. 3 % Wachs, Fell, Eiweiß und Asche.
Im natürlichen Zustand ist die Baumwolle meist von grauweißer, gelblich bis bräunlicher oder rötlicher Farbe. Die Feinheit, d.h. die Dicke der Fasern schwankt zwischen 12 bis 18 Mikron (1 Mikron = 1/1 000 mm). Die längsten Fasern sind fast immer auch die feinsten Fasern. Der Glanz steigt mit der Feinheit und den Windungen der Baumwollfaser. Die Reißfestigkeit ist hoch und steigt im nassen Zustand noch an.
Baumwolle ist die Naturfaser mit der höchsten Scheuerfestigkeit und einem sehr gutem VerschleißverhaIten. Baumwolle ist kochfest und besitzt hohe Saugfähigkeit. Dies bewirkt eine hohe Schweißaufnahme und lange Trockenzeiten. In feuchtem Zustand wird Baumwolle durch Licht angegriffen, d. h. sie vergilbt. Baumwolle kann bei verhältnismäßig hohen Temperaturen (180 bis 200 Grad Celsius) gebügelt werden.
Eigenschaften von Baumwolle:
Hitzebeständig, kochfest, weich, schmiegsam, fein, saugfähig, lädt sich nicht elektrostatisch auf, luftdurchlässig, hygienisch, durch die Hitze beim Waschen und BügeIn werden Bakterien abgetötet, angenehm auf der Haut, kein Kratzen, kann die Körperfeuchtigkeit gut aufnehmen, kein Knistern, kein Kleben auf der Haut oder auf Textilien, es entsteht kein Hitzestau
Mako-Baumwolle
Mako-Baumwolle ist eine besonders hochwertige Baumwollsorte. Sie ist sehr hell, fein und weich. Die Stapellänge kann bis zu 40 mm betragen. Durch diese große Länge ist Mako-Baumwolle sehr gut verspinnbar und äußerst reißfest.
Pima-Baumwolle
Pima Baumwolle unterscheidet sich von allen anderen Baumwollarten vor allem durch seine Haarlänge und Haarstärke. Sie wird handgepflückt und handverlesen. Der Feinheitsgrad und die sehr lange Faser machen Pima zur besten Baumwollsorte. Sie ist besonders weich und fein und hat einen ganz eigenen Glanz, dem sie den Namen „Seide Südamerikas“ verdankt.



