Schiesser Fachlexikon - Historische Entwicklung

Firmengeschichte in Bildern: Das Plakat präsentiert das Unternehmen Schiesser um 1900. In der oberen Reihe sieht man Objekte des Unternehmens in Stockach, Radolfzell und Engen (v.l.).

Darunter links neben der Anzeige die Arbeitsordnung und rechts die Satzung der Betriebskrankenkasse – sie galt damals um 1900 als Vorreiter und Vorbild für den gesamten süddeutschen Raum.

Im unteren Bereich ein Foto der engeren Mitarbeiter von Jaques Schiesser. Ganz links auf dem Bild befindet sich Meister Huber, ein Erfindergenie.

Auf den Bildern ganz unten sieht man die Belegschaft des Zweigwerkes in Stockach und daneben ein Vierergespann, mit dem die Filialen von Radolfzell aus mit Stoffen beliefert wurden.
 

Schiesser Firmengeschichte - Plakat um 1900


Chronologie ab Firmengründung 1875


Der 27jahrige Schweizer Fabrikant, Jaques Schiesser, und seine Frau Malwine mieten den Tanzsaal im noch bestehenden Gasthaus "Schwert" in Radolfzell am Bodensee und beginnen auf nur neun Rundwirkstühlen die Produktion ihrer Trikotagen (Unterwäsche).


1876-1880

Erbauung und Bezug einer eigenen kleinen "Fabrik für Trikotweberei und Färberei" in Radolfzell. Die Belegschaft wächst von 100 auf 280 Mitarbeiter. Erschließung der Exportmärkte im vorderen Orient, in Indien, China und Japan.


1880-1896

Expansion des Unternehmens durch die Gründung der Filialen in Stockach (1890), Bukarest (1894) und Engen (1896). Die Zahl der Mitarbeiter wächst auf über 600. Es werden sogar Gastarbeiterinnen aus Italien beschäftigt, da qualifizierte Angestellte in Deutschland knapp wurden.


1900

Jacques Schiesser erhält, anlässlich der Pariser Weltausstellung, den "Grand Prix" für Spezialitäten wie "Flechttrikot”, Damasttrikot, "Abhärtungswäsche aus Ramieleinen” und "Längsstreifen-Trikotagen”.
Die Tagesproduktion des Unternehmens beläuft sich auf 12.000 Stück. 80% der Produktion gehen dabei auf den weltweiten Exportmarkt. SCHIESSER beschäftigt nun annähernd 1000 Mitarbeiter, darüber hinaus über 300 Heimarbeiterinnen und verfügt über eigene Bleicherei, Färberei und Appretur. SCHIESSER baut ein vierstöckiges Gebäude in der Radolfzeller Johannisstraße.


1913

Jacques Schiesser stirbt am 18. August an Herzversagen. Das Unternehmen geht auf seine Frau Malwine über. Sein Schwiegersohn Wilhelm Finckh übernimmt die Leitung des Unternehmens mit 1.200 Mitarbeitern.


1914

Ausbruch des 1. Weltkriegs. Die Produktion der Firma Schiesser stellt situationsbedingt auf Heeresbedarf um und wird durch den Krieg von seinen Exportmärkten abgeschnitten. Aufgrund der immer schwierigeren Rohstoffbeschaffung werden Versuche unternommen, Gewebe und Gewirke aus Brennnesselfasern und Papiergarnen herzustellen.


1915

Jacques Schiessers Neffe, Jean Schiesser, übernimmt die Leitung des Unternehmens nach dem Tod von Wilhelm Finckh.


1916

Das Unternehmen wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmiert nun als SCHIESSER AG.


1918

Ende des Ersten Weltkrieges, die Belegschaft schrumpfte während des Krieges auf 360 Mitarbeiter.


1922

Ende einer Durststrecke - Das Unternehmen kann wieder 800 Angestellten und Arbeitern einen gesicherten Arbeitsplatz bieten.


1923

Aufgrund der Inflation und der Weltwirtschaftskrise müssen Teile des Unternehmens geschlossen werden. Die Anzahl der Mitarbeiter sank auf 500.


1929

Die SCHlESSER AG stellt auf Kurzarbeit um und muss, aus Mangel an Aufträgen, weitere Entlassungen aussprechen.


1930-1931

Stillegung der Zweigniederlassungen in Engen und Stockach


1932

Kurz vor dem totalen Zusammenbruch kann das Unternehmen mit Hilfe aus der Schweiz saniert werden. Ein mühsamer Wiederaufbau begann.


1933

Wirtschaftlicher "Aufschwung" und Anstieg der Belegschaft auf 600 Mitarbeiter. Übernahme der Radolfzeller Kinderwäschefabrik, die Leibchenfabrik, die später "Tausendsassa-Spezialfabrik" heißen sollte.


1936

Jean Schiesser tritt als Geschäftsführer und Vorstand zurück. An seine Stelle tritt Walter Schellenberg, der erste Unternehmensführer, der nicht zur Familie Schiesser gehört.


1939

Ausbruch des 2. Weltkriegs.


1940

Die Belegschaft ist wieder auf 1.100 Mitarbeiter angestiegen. Der Verlauf des Kriegsgeschehens bringt einschneidende Umstellungen, Notprogramme und schließlich Kriegsfertigungen - die mittlerweile etablierte ,,Schiesser-Mode” fällt dem Krieg zum Opfer.


1940 - Nachkriegsjahre

Fast vollständige Stilllegung der Produktion aufgrund Rohstoffmangels. Die Mitarbeiterzahl schrumpfte auf 500. Wiederaufbau des von Bomben beschädigten Werks in Stockach. Mit 160 Tonnen Schrott in Form von alten Nähmaschinen erfolgt der Wiederaufbau.

In den 50er Jahren entstand der Begriff des deutschen "Fräuleinwunder", welchem SCHIESSER viele Jahre später eine eigene Unterwäsche-Serie widmete. Geprägt wurde der Ausdruck in den USA, wo er für junge attraktive und selbstbewusste Damen des Nachkriegsdeutschland stand. Stein des Anstosses war das Berliner Mannequin Susanne Erichsen (1925–2002). 1950 war sie die erste Miss-Germany der jungen BRD.


1950 - 75jähriges Jubiläum

Erneuter Aufschwung: Die Jahresproduktion beläuft sich auf 2,7 Mio. Stück Trikotwaren mit einem Jahresumsatz von nahezu 13 Mio. DM. Das Unternehmen beschäftigt wieder 1000 Mitarbeiter. Errichtung eines neuen Werks in Engen und lnbetriebnahme der Filialen in Mimmenhausen und Rielasingen.


1951

Jean Schiesser stirbt im Alter von 80 Jahren.


1960

Das Unternehmen beschäftigt 3500 Mitarbeiter.


1962

Entstehung des Filialbetriebs Neustadt im Schwarzwald. Darüber hinaus Aufbau neuer Produktionsstätten in der Schweiz und in Griechenland und Gründung der SCHIESSER Niederlande.


1966

Entstehen eines neuen Werks in Radolfzell mit 32000 qm Nutzfläche. Darüber hinaus wurde eine Vertriebsgesellschaft in Mailand/ Italien gegründet und es entstanden neue Produktionsstätten in Griechenland, Irland, Österreich und in der Schweiz. Ausweitung durch die Errichtung eines neuen Werks in Waldshut.


1967

Gründung einer weiteren Vertriebsgesellschaft in Belgien.


1971

SCHIESSER wagt den Sprung in die Gesamtbekleidung: Nach dem Erwerb der Unternehmen Standop GmbH, sowie der Hudson-Textil Werke wird SCHIESSER Marktführer im Bereich bedruckter Maschenstoffe. Aufbau einer eigenen Stoffdruckerei, um weiterhin die Qualität zu gewährleisten.


1975 - Hundertjähriges Bestehen

Das Unternehmen kann auf 14 Jahre ununterbrochene Expansion zurück blicken. Die SCHlESSER AG produziert 38 Mio. Wäschestücke im Jahr und erreicht einen Jahresumsatz von 437 Mio. DM. Das Unternehmen gliedert das Außendienstnetz neu, legt verstärkten Wert auf den Endver­braucher und entwickelt sich zu einem Marketing- und Vertriebsunternehmen. Neben der Qualität stand die Mode an erster Stelle.


Anfang der 90er Jahre

Durch die wirtschaftlichen Folgen der deutschen Einheit und die damit verbundene Erschließung neuer Märkte, begann ein Umsatzwachstum auf 555 Mio. DM. Diese Präsenz breitete sich bis heute auf über 30 Länder aus.


Heute

Heute konzentriert sich die Zentrale am Bodensee auf Marketing- und Vertriebs­aktivitäten sowie Produktentwicklung und Innovationen. Als ein Marktführer unter deutschen Unterwäscheherstellern zählt das Unternehmen heute mehr als 6500 Händler zu seinen Kunden.

Die Marke SCHIESSER ist heute zum Synonym geworden für jene Kleidungsstücke, die dem Menschen buchstäblich am nächsten sind.


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