Spitze entwickelte sich aus der Stickerei, für die es Zeugnisse schon aus der Antike gibt. Ihr Ursprung liegt in Italien um 1500 – damals ein äußerst kunstvoll in Handarbeit gefertigter Luxusartikel, der ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Im 16. Jahrhundert wurde erstmals zwischen handgenähter und handgeklöppelter Spitze unterschieden; Bezeichnungen wie Venezianische oder Brüsseler Spitze verweisen auf Orte, Muster und Herstellungsarten.
Von der Handarbeit zur Maschine
Im 19. Jahrhundert entstand die maschinelle Spitzenherstellung: Der Engländer Leavers erfand die Bobinetspitzenmaschine – diese Webspitze heißt bis heute Leaversspitze. Die heute am häufigsten verwendeten Spitzen stammen von Spitzenraschelmaschinen (Kettenwirkmaschinen); eine moderne Spitzenmaschine fertigt in 10 Minuten so viel Spitze, wie früher eine Frau in ihrem ganzen Leben. Mit elektronischer Mustersteuerung entstanden ab den 1980er Jahren elastische Jacquardtronic-Spitzen, außerdem die Comfortronic-Spitze mit hohem Baumwollanteil und die Textronic-Spitzen mit filigranen Fonds und reichhaltigen Motiven. Spitzenzentren entwickelten sich in Frankreich (Webspitzen), der Schweiz und dem österreichischen Vorarlberg (Stickereispitzen) sowie in Deutschland (Raschelspitzen).
Applikationen und Inkrustationen
Applikation bedeutet, dass Stoffteile, Stickereien oder Spitzen auf den Grundstoff geklebt oder genäht werden; die Schnittkanten werden meist durch Ziernähte verdeckt. Bei Inkrustationen wird der Stoff nach dem Aufnähen dem Randverlauf der Spitze entsprechend ausgeschnitten – je unsymmetrischer die Spitze, desto aufwendiger. Preis und Qualität einer Spitze hängen von Rohstoff, Faden, Stickdichte, der Umrandung der Durchbrüche, Verarbeitung, Stabilität bei gleichzeitiger Weichheit und der Größe des Spitzeneinsatzes ab. Als Faustregel gilt: Je mehr Durchbrüche, je feiner und je weicher – desto hochwertiger die Spitze.
Die Spitzenarten im Überblick
Alle Begriffe rund um Material und Verarbeitung finden Sie im Unterwäsche Fachlexikon.